Wann brauche ich die Kategorie „Specific“ in Österreich?
Die Kategorie Specific (Spezifisch) ist für Drohneneinsätze gedacht, die das Risikolimit der offenen Kategorie (OPEN) überschreiten. Während 95 % aller Flüge in der Open-Kategorie stattfinden, ist die Specific-Kategorie erforderlich, wenn Sie:
- Außerhalb der direkten Sichtweite (BVLOS) fliegen wollen.
- Höher als 120 Meter fliegen müssen.
- Drohnen über 4 kg in besiedeltem Gebiet einsetzen (ohne C2-Label).
- Lasten abwerfen oder Sprühdrohnen (Agrar) nutzen.
Im Gegensatz zur Open-Kategorie reicht hier eine bloße Registrierung nicht aus. Sie benötigen eine Betriebsbewilligung oder müssen eine Betriebserklärung bei der Austro Control abgeben.
Wege zur Genehmigung: STS, PDRA oder SORA?
Der Weg zur Legalität führt in Österreich über drei Hauptpfade, abhängig von Ihrem Equipment und Einsatzszenario:
1. Standard-Szenarien (STS) & Betriebserklärung
Dies ist der einfachste Weg, setzt aber spezielles Equipment voraus.
- Szenarien: STS-01 (VLOS über kontrolliertem Bodenbereich in der Stadt) oder STS-02 (BVLOS über dünn besiedeltem Gebiet).
- Voraussetzung: Sie benötigen zwingend eine Drohne der Klasse C5 oder C6.
- Verfahren: Sie reichen eine „Betriebserklärung“ (Declaration) bei der Austro Control ein. Nach Bestätigung dürfen Sie fliegen.
2. PDRA (Pre-Defined Risk Assessment)
Da viele Piloten noch keine C5/C6-Drohnen besitzen, sind PDRAs der häufigste Weg für gewerbliche Nutzer (z. B. mit DJI Enterprise Geräten).
- Es handelt sich um vereinfachte Risikoanalysen für gängige Szenarien (z. B. PDRA-S01 für Flüge in der Stadt).
- Hier ist ein Antrag auf Betriebsbewilligung erforderlich.
3. SORA (Individuelle Risikobewertung)
Für komplexe Missionen, die in kein Schema passen (z. B. Drohnen-Lieferdienst in der Innenstadt), müssen Sie eine komplette Specific Operations Risk Assessment (SORA) durchführen. Dies ist ein umfangreiches Verfahren, das Sicherheitsziele (OSO) und Risikominderungsmaßnahmen (M1, M2, M3) definiert.
Schritt-für-Schritt zur Genehmigung bei der Austro Control
Schritt 1: Das richtige Konzept wählen
Prüfen Sie, ob Sie nach einem Standardszenario (STS) fliegen können oder eine Bewilligung (PDRA/SORA) brauchen. Erstellen Sie das Betriebshandbuch (Operations Manual), das für die Specific-Kategorie verpflichtend ist.
Schritt 2: Antragstellung via Dronespace
Nutzen Sie das Portal dronespace.at der Austro Control oder die entsprechenden Formulare. Reichen Sie Ihr Betriebshandbuch und die Risikobewertung ein.
Schritt 3: Die Versicherung (Achtung Stolperfalle!)
Für die Specific-Kategorie reicht eine Standard-Haftpflicht oft nicht aus.
- Gesetzliches Minimum: 750.000 Sonderziehungsrechte (SZR).
- Specific-Deckung: Prüfen Sie, ob Ihre Versicherung Flüge in der Kategorie Specific (insb. BVLOS oder gewerbliche Nutzung) explizit einschließt. Viele „Hobby-Tarife“ schließen dies aus!
Die DMO bietet spezielle Gewerbe-Tarife (UAV Spezial), die auch komplexe Szenarien und BVLOS-Flüge abdecken können und von der Austro Control anerkannt werden.
Schritt 4: Kosten und Bearbeitung
Die Gebühren der Austro Control richten sich nach der aktuellen Kostenverordnung (ACV).
- Eine einfache Betriebserklärung (STS) ist meist günstiger (oft ca. 300 – 400 €).
- Eine individuelle Betriebsbewilligung (SORA) wird nach Aufwand berechnet und kann deutlich teurer sein.
LUC – Die Lösung für Großbetreiber
Das Light UAS Operator Certificate (LUC) ist die „Königsklasse“. Es ist für Organisationen gedacht (z. B. Energieversorger, große Drohnendienstleister), die ein internes Sicherheitsmanagementsystem etabliert haben.
Vorteil: Ein LUC-Inhaber darf sich seine Flüge selbst genehmigen, ohne jedes Mal die Austro Control zu fragen.
Nachteil: Die Anforderungen an Dokumentation und Safety-Management sind extrem hoch.
Fazit
Der Flug in der Kategorie Specific ermöglicht professionelle Einsätze, erfordert aber Bürokratie und Fachwissen. Beginnen Sie, wenn möglich, mit einem PDRA oder STS, um den Aufwand gering zu halten. Essenziell ist eine leistungsstarke Versicherung, die über den Standard-Schutz hinausgeht.