Was ist die Air Risk Class (ARC)?
Der Begriff Air Risk Class (ARC) beschreibt das Kollisionsrisiko, das von einer Drohne für den bemannten Luftverkehr ausgeht. Diese Klassifizierung ist ein zentraler Baustein des Specific Operations Risk Assessment (SORA).
Wenn Sie in der Kategorie OPEN (A1, A2, A3) fliegen (also auf Sicht, unter 120m Höhe), müssen Sie keine ARC berechnen! Die Risikobewertung wurde hier bereits pauschal vom Gesetzgeber übernommen.
Dieser Artikel ist relevant für Piloten in der Kategorie SPECIFIC, die eine individuelle Betriebsbewilligung bei der Austro Control beantragen.
Wie wird die ARC in Österreich bestimmt?
Im Rahmen eines SORA-Verfahrens bei der Austro Control muss der Antragsteller die Luftraum-Risikoklasse bestimmen. Diese reicht von ARC-a (sehr geringes Risiko) bis ARC-d (hohes Risiko).
Die Einstufung hängt ab von:
- Luftraum-Art: Fliegen Sie in kontrolliertem Luftraum (z. B. Kontrollzone Wien-Schwechat) oder unkontrolliertem Luftraum?
- Flughöhe: Bleiben Sie unter 120 Meter (geringeres Risiko) oder fliegen Sie höher?
- Umgebung: Befinden Sie sich in der Nähe von Flugplätzen oder Heliports?
Maßnahmen zur Risikominderung (Mitigation)
Wenn die ursprüngliche Einstufung zu hoch ist (z. B. ARC-d), kann der Betreiber Maßnahmen ergreifen, um die Klasse zu senken („Strategic Mitigation“).
Beispiele:
- Zeitliche Beschränkung: Flug nur zu Zeiten mit wenig Flugverkehr.
- Räumliche Begrenzung: Nutzung eines „Geocage“ (virtueller Käfig), der verhindert, dass die Drohne den Bereich verlässt.
Technische Anforderungen (Tactical Mitigation)
Bleibt nach der Senkung immer noch ein Restrisiko (z. B. ARC-b oder ARC-c), verlangt die Austro Control technische Sicherheitsnetze, um Kollisionen aktiv zu verhindern (Tactical Mitigation Performance Requirement – TMPR):
- Elektronische Sichtbarkeit: Einsatz von Transpondern (ADS-B / FLARM), damit Segelflieger oder Rettungshubschrauber die Drohne sehen.
- Detect & Avoid: Systeme, die Hindernisse erkennen und automatisch ausweichen.
- Luftraumbeobachter: Einsatz von Personen, die den Luftraum scannen und den Piloten warnen.
Der Unterschied: ARC vs. GRC
Das SORA-Verfahren besteht aus zwei Hauptkomponenten:
- GRC (Ground Risk Class): Wie gefährlich ist der Flug für Menschen am Boden? (z. B. Flug über Menschenmenge vs. Flug über leerem Acker).
- ARC (Air Risk Class): Wie gefährlich ist der Flug für andere Luftfahrzeuge?
Zusammen bestimmen diese Werte den „SAIL“-Level (Specific Assurance and Integrity Level), der vorgibt, wie streng die Auflagen der Austro Control für die Genehmigung sind.
Versicherung für ARC/SORA-Einsätze
Wer eine SORA erstellt, fliegt in der Kategorie Specific.
Achtung: Die meisten Standard-Drohnenversicherungen decken nur die Kategorie OPEN ab. Für genehmigungspflichtige Flüge (Specific) benötigen Sie einen erweiterten Tarif, der explizit bestätigt, dass er die Anforderungen für SORA-bewilligte Flüge erfüllt.
Die gewerblichen Tarife der DMO („UAV Spezial“) sind darauf ausgelegt, auch komplexe Risikoszenarien abzudecken, die eine Betriebsbewilligung erfordern.
- Deckungssummen bis 10 Mio. € (oft gefordert bei hohem SAIL-Level)
- Bestätigung für Austro Control inkludiert
Fazit
Die Air Risk Class ist ein Werkzeug für Profis im Genehmigungsverfahren. Sie stellt sicher, dass Drohnen und bemannte Flugzeuge im österreichischen Luftraum sicher koexistieren. Wer „nur“ Hobby-Pilot ist und in der offenen Kategorie fliegt, profitiert automatisch von den dort geltenden Regeln, ohne eine ARC berechnen zu müssen.